Nie wieder so handeln, aber immer wieder daran erinnern!

Am Abend vor dem offiziellen Gedenktag an die Opfer des Holocausts fand im Dortmunder Rathaus eine Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Auf der Flucht – Schicksale jüdischer Emigranten“ statt, die deswegen vorgezogen wurde, damit Mitglieder der jüdischen Gemeinde teilnehmen konnten, da 2017 der Holocaustgedenktag mit den Sabbatvorbereitungen zusammenfiel. In festlichem Rahmen lauschten zahlreiche Besucher verschiedenen Stimmen des Erinnerns.

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Neben einleitenden Worten Georg Borgschultes, des Vorsitzenden der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, und der Bürgermeisterin Birgit Jörder, konnte das Publikum einer Talkrunde folgen mit dem Experten für jüdische Geschichte Dortmunds, Rolf Fischer, und dem holländischen Gast John Löwenhardt, der ein Holocaustüberlebender der 2. Generation ist und dessen Familiengeschichte ihn über die NS-Zeit mit der Region verbindet – stammt sein Großvater doch aus Dortmund und wurde in Auschwitz ermordet.

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Erfreulicherweise gehörten – dank der Arbeit des Jugendrings Dortmunds – zu dem Chor der Erinnerung auch die Stimmen junger Leute: So wurde ein Filmprojekt der „Botschafter*innen der Erinnerung“ über die Fahrt nach Westerborg und die Begegnung mit Micha Schliesser, einem Überlebenden dieses Durchgangslagers der NS-Tötungsmaschinerie, vorgestellt. Von den Studierenden des Westfalen-Kollegs hatte im Vorfeld an diesem Projekt Kristina Weber mitgewirkt, die zusammen mit ihren Mitstudierenden Benjamin Vetter und Cedrik Rosinski, auch auf der Bühne Rede und Antwort standen, als SchülerInnen verschiedener Dortmunder Schulen über die Ergebnisse ihrer Arbeit mit Erika Rosenberg-Band berichteten. Frau Rosenberg hatte aus ihrem Materialfundus über Oskar Schindler und die NS-Zeit in dem Workshop, der im November am Westfalen-Kolleg stattfand, das Interesse an Emilie Schindler, der Ehefrau Oskar Schindlers, und ihrer Bedeutung für die Rettung der Juden geweckt. Produkte dieser gemeinsamen Arbeit wurden im Rathaus ausgestellt und ein Kurzfilm über Emilie Schindler lief non-stop vor und nach der Veranstaltung. Am Ende dieses Abends, der aufgelockert wurde durch musikalische Darbietungen der Romberg-Klezmer Dortmund und Beiträge der Tanzgruppe der jüdischen Gemeinde, hat sich gezeigt, dass gemeinsames Erinnern positive Potentiale freisetzt.

Fotostrecke von der Veranstaltung