Versteckt unter der Haut des Feindes

Sally Perel, Hitlerjunge Salomon, zu Gast im Westfalen-Kolleg Dortmund

Rund 250 Studierenden des Westfalenkollegs und als Gäste rund 100 Schüler der VHS lauschten fasziniert und erschrocken zugleich der unglaublichen ‚Geschichte‘ von Sally Perel, der als Jude verborgen in der Hitlerjugend den Holocaust überlebt hat.

perel_von_vorn


„Zeitzeugen sind die besten Geschichtslehrer“, beginnt Sally Perel und stellt fest, dass auch die Anwesenden sich weigerten, geschichtsfern zu leben, sonst säßen sie schließlich nicht in dieser Veranstaltung. Die Arbeit an der Geschichte der NS-Zeit sei noch Generationen lang zu leisten – auf beiden Seiten: der deutschen und der jüdischen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seien untrennbar miteinander verbunden, daher nehme er als Zeitzeuge in Schulen den Kampf gegen die Auschwitzlüge an.
Den Nationalsozialisten sei es gelungen, ihn – den Sohn eines Rabbiners – mit ihrer verbrecherischen Ideologie und ihren Zielen zu infizieren. Dies sei seine Motivation mit jungen Menschen über seine Geschichte zu sprechen, das Gedächtnis lebendig zu halten, denn das Gedächtnis sei das wirkungsvollste Bollwerk gegen die braune Gefahr.


perel_von_hinten_publikum

Der Zufall und sein wacher Instinkt, im richtigen Augenblick zu lügen, führten dazu, dass der Jude Salomon, getarnt als ‚Volksdeutscher‘ Jupp, Schüler eines Eliteinternats der Hitlerjugend wurde. Von nun an lebten der Hitlerjunge Jupp und der Jude Salomon in demselben Körper, in derselben Seele. Die nationalsozialistische Ideologie, die auf die jungen Gehirne wie Gift gewirkt habe, zog ihn in ihren Bann, während er gleichzeitig durch seine Beschneidung und die letzten Worte seines Vaters: „Vergiss nie, wer du bist!“ immer wieder an seine jüdische Identität erinnert wurde. Doch auch die Abschiedsworte seiner Mutter waren ihm die ganze Zeit gegenwärtig: „Du sollst leben!“ Mit diesem Befehl habe seine Mutter ihm magische Kraft eingepflanzt und er stellt die Frage: „Ist Glaube wichtiger als Leben?“ Nein!
Die ‚Nazidoktrin‘, die er in seinen vier Jahren in der Hitlerjugend erfahren habe, wirke noch heute, mit 88 Jahren, in ihm nach. Seine Seele habe nicht wiedergutzumachenden Schaden genommen. Noch immer führe er ein Doppelleben, lebe den tragischen Konflikt, „Sieg Heil“ gebrüllt zu haben, während in Auschwitz gleichzeitig Kinder vergast wurden – noch heute höre er die Schreie der Kinder.

perel_mit_abitur_nachholen_ausschnitt


Sally Perel schließt seinen Vortrag, indem er die Anwesenden in die Pflicht nimmt, seine Geschichte als Zeitzeugen weiter zu tragen und zu „Botschaftern der Versöhnung“ zu werden. Der langanhaltende stehende Applaus lässt vermuten, dass ihm dies gelungen ist.